Aussage des Monteurs Albert Hofner

 

 

Die Aussage des Monteurs Albert Hofner vom 15.Mai 1925 

 

Hofner Albert, led. Betriebsleiter in der Zieglerschen Maschinenfabrik in Reichertshausen , geboren am 1.10.1902 zu Königsfld, B.A. Pfaffenhofen, ehelich der Schmiedemeistereheleute in Königsfeld, kath. Bayr. Staatsangeh., wohnhaft in Reichertshausen, Fabrikanlage Ziegler gibt auf eingehende Einvernahme zur Sache an:

 

Ich komme als derjenige in Betracht, der in Hinterkaifeck den Motor repariert hat. Es war vor Ostern 1922 als ich vom Betriebe Pfaffenhoffen aus den Auftrag erhielt bei Gruber in Hinterkaifeck den Benzinmotor System Sendlinger 4 PS zu reparieren. Wer mir damals den Auftrag gegeben hat, weiß ich heute beim besten Willen nicht mehr. Desgleichen kann ich auch den ( Anm. das) Datum nicht mehr angeben, wann ich nach Hinterkaifeck gefahren bin. Entsinnen kann ich mich aber noch, dass es an einem Montag oder Dienstag gewesen ist. Dass es an einem dieser Tage war, kann ich mich deshalb erinnern, weil die Auftragserledigung für die Woche vorher bestimmt gewesen wäre, ich aber nicht nach Hinterkaifeck fahren konnte, da die Woche vorher auch schlechtes Wetter war und ich mit dem Rade nicht fahren konnte. Ich habe dann die Ausführung der Reparatur auf anfangs nächste Woche verschoben und ich kann fast mit Sicherheit angeben, dass ich bereits am Montag darauf nach Hinterkaifeck war, zur Erledigung des Auftrages gefahren bin. Soweit ich mich noch entsinne bin ich gegen 7 Uhr vormittags von Pfaffenhofen weggefahren und gegen 9.00 Uhr in Hinterkaifeck angekommen. Ich brauchte bis Hinterkaifeck 2 Stunden, da es schlechte Wege waren und das Fahren deshalb langsamer ging und in Wangen traf ich den Bürgermeister mit dem ich mich längere Zeit unterhalten habe. Soviel ich mich

 


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noch erinnern kann war ich mit dem Bürgermeister in dessen Hofe beisammen, es kann sogar möglich sein, dass ich auch in dessen Küche war. Ich habe dem Bürgermeister gesagt, dass ich nach Hinterkaifeck fahre um dort den Motor zu reparieren. Ob ich ihm dieses aus meinem eigenen Antriebe gesagt habe oder erst auf dessen Befragen, wo ich hinfahre, weiß ich heute nicht mehr genau. Beim Bürgermeister werde ich mich etwa eine halbe Stunde aufgehalten haben. 

 

Ich fuhr dann durch Gröbern nach Hinterkaifeck. Dort angekommen wollte ich bei dem Gartentürchen, das beim Stadel war in den Hof, konnte aber nicht hinein, weil verschlossen war. Ich ging dann um das Haus herum, um von hinten in das Haus gelangen zu können. Da von hinten die Haustüre verschlossen war, sah ich durch das Küchenfenster und das Stallfenster hinein, ob ich jemand sehen konnte, was aber nicht der Fall war. Ich hörte weiter nichts als das Brüllen der Kühe und das bellen des Hundes. Mir fiel wohl das starke Brüllen der Kühe auf, nahm aber weiteres keine Notiz davon, da ich schon oft gehört habe, dass der Hofbesitzer ein Sonderling ist und er oft den ganzen Tag von dem Felde nicht nach Hause ging, so dass das Vieh sich selbst überlassen war. Da ich niemanden im Haus bemerken konnte, habe ich mein Rad an einen in der Nähe der Haustüre befindlichen Obstbaum gestellt und mich darauf gesetzt. In dieser Stellung wartete ich etwa eine Stunde, wobei ich ab und zu durch die Finger mehrmals grelle Pfiffe tat, um meine Anwesenheit bemerkbar zu machen, da in weiter Ferne jemand in einem Acker mit Zugtieren gearbeitet hatte und ich der Anschauung war, es könne jemand vom Hofe sein. Nachdem ich bereits über eine Stunde gewartet hatte, wurde mir das Warten überdrüssig und ich dachte mir, nun musst dich an die Arbeit machen, sonst wirst nicht mehr fertig, da ich auch noch eine weitere Reparatur in dortiger Gegend zu erledigen hatte. Ich ging nun auf das Motorenhaus zu, untersuchte den Verschluss und nachdem ich feststellte, dass es nur mit einem kleinen Vorhängeschloss abgesperrt war, bog ich den einen Haken auf, der in den Türrahmen eingeschlagen war und ich konnte das Schloss entfernen. Nachdem ich im Motorhaus war, fing ich gleich zu arbeiten an, indem ich eine Zylinderkopfdichtung eingebaut hatte. 

 

 

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Während der Arbeitszeit sang und pfiff ich. Mit dieser Reparatur brauchte ich etwa 4 ½ Stunden und wurde so gegen ½ 3 Uhr fertig, wobei ich den Motor laufen ließ, um mich über dessen Betriebsfähigkeit vergewissern zu können. Auch war es darum zu tun, dass durch den Auspuff des Motors meine Anwesenheit bemerkbar gemacht wird. Gekommen ist aber trotzdem niemand, weshalb ich das Motorhaus wieder abschloss, indem ich den Haken wieder zusammenbog. Zum Ausprobieren des Motors hätte ich eigentlich die Kühlwasserpumpe benötigt um die Dichtung der Zylinderkopfdichtung auszuprobieren. Ich konnte aber die Pumpe nicht in Betrieb setzen, weil in der Wasserreserve, die sich nächster Nähe des Motors befand, kein Wasser enthalten war. Dies merkte ich, weil mir während der Arbeit eine Schraubenmutter in die Wassergrube gefallen ist und ich dieselbe herausholen konnte, da, wie schon gesagt kein Wasser in derselben war. Ich habe dann von der Ausprobierung der Zylinderkopfdichtung mit Wasser Abstand genommen, da ich sonst hätte in das Haus eindringen müssen, wegen des Antriebriemens und wegen des Wassers, wovon ich einige Eimer voll hätte in die Grube schütten müssen. Ich sagte mir, ich habe die Reparatur so gut ausgeführt, dass ich mir sicher war, dass es auch ohne ausprobieren geht. 

 

Nachdem ich das Motorenhaus wieder abgesperrt hatte, ging ich von hinten durch den Wurzgarten in den Hofraum. Dort bemerkte ich, dass die Scheunentüren in voller Weite offen standen. Ich ging aber nicht in die Scheune hinein, da ich mir dachte, da hast du nichts zu suchen darin, fiel mir aber wohl auf, dass sich in der Scheune nichts rührt, nachdem dieselbe sperrangelweit offen stand. Ich sah in einer Entfernung von etwa 3 Meter oberflächlich in die Scheune hinein, wo ich aber nicht das Geringste bemerkte. Ich ging dann dem Wohnhaus entlang und der Haustüre zu. Vor der Haustür war der Hund angehängt, der fürchterlich bellte. Ich habe den Hund weiter nicht beachtet, da man schon gewöhnt ist, wenn man in einen Bauernhof geht, dass einen der Hund anbellt.

 


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Ich wollte dann zur Haustüre hinein, die ich aber ebenfalls verschlossen vorfand. Ich sah dann durch ein Fenster links und rechts der Haustüre in die Stuben, konnte aber niemand darin sehen und ist mir auch weiter nichts Verdächtigeres darin aufgefallen. Da ich niemand sah, habe ich meinen Rückweg auf demselben Weg wie ich in den Hof kam, angetreten. Es wird etwa ½ 3 Uhr gewesen sein. Ich fuhr dann von Hinterkaifeck nach Vorderkaifeck, wo ich bei dem dortigen Hofbesitzer, dessen Namen mir heute nicht mehr erinnerlich ist, der Bürgermeister in Wangen aber Auskunft geben können dürfte, nachdem ich auf meinem Rückwege ihm gesagt habe, dass ich dort auch eine Reparatur ausgeführt habe, ebenfalls eine kleine Motorreparatur und zwar am Vergaser ausgeführt hatte. Ich hatte damals dem Besitzer von Vorderkaifeck gesagt, dass ich soeben von Hinterkaifeck komme, dort auch eine Reparatur ausgeführt habe und auf dem ganzen Hofe niemand gesehen habe. Ich habe zugleich auch erfragt, wo die Anwohner von Hinterkaifeck sein könnten, worauf mir derselbe erwiderte, dass die oft den ganzen Tag über mit den Kindern im Walde beim Holzmachen sind und erst abends von dort zurückkommen. Mit dieser Auskunft gab ich mich zufrieden.

Erwähnen möchte ich noch, dass ich bei meiner Rückfahrt durch Gröbern im ersten Anwesen links der Straße auf Wangen zu in einem Wurzgarten 2 Mägde arbeiten sah, zu denen ich hingefahren bin, dort ausstieg und ihnen sagte, sie möchten den Leuten von Hinterkaifeck sagen, dass ein Monteur von Ziegler aus Pfaffenhofen da gewesen sei und habe den Motor repariert. Die Mägde erwiderten mir, es ist schon recht, sie werden es ausrichten. Auf meine Reparatur in Vorderkaifeck zurückkommend, so hat die von mir dort vorgenommene Arbeit ca. ¾ - 1 Stunde gedauert. Gegen etwa ½ 6 Uhr machte ich mich auf den Heimweg und kam gegen 7 Uhr in Pfaffenhofen wieder an. Bei meiner Rückkunft habe ich niemandem mehr vom Betriebe an diesem Abend mehr etwas gesagt, dass ich in Hinterkaifeck niemanden angetroffen habe. Es war auch niemand mehr da, da bereits schon Arbeitsschluss war.

 


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Am nächsten Tag wurde ich von der Gendarmeriestation in Schrobenhausen telefonisch angerufen., ob ich der Monteur war, der in Hinterkaifeck die Reparatur vorgenommen hatte, was ich bejahte. Weiteres habe ich dann von der Sache nicht mehr gehört, d.h. ich kann mich nicht entsinnen, dass ich jemals noch zur Sache eingehend wie heute vernommen wurde. Möglich kann sein, dass mich mal ein Gendarm oberflächlich befragt hat, dem ich dann die Sache gesagt habe, wie es war, d.h. was ich in Hinterkaifeck wahrgenommen habe. 

 

Den Zugang zur Ausführung der Reparatur habe ich genommen, wie ich angegeben habe, auf keinen Fall aber durch das Stadeltor. Wie ich auf den Hof hinkam, wusste ich gar nicht, dass das Stadeltor offen stand. Und ich sah mich auch erst nicht weiters darum um, um etwas offen ist.

 

An Werkzeugen hatte ich damals bei mir 1 Hammer, 1 Schraubenzieher, 1 Meisel (sic!), 1 Durchschlag, 1 Dichtungsmeisel (sic!), 1 Blitzzange und 1 Kombinationszange. Das ganze Werkzeug hatte ich in einem Rucksacke am Rade hängen. Feststehendes oder Taschenmesser hatte ich damals nicht bei mir, da ich die meiste Zeit überhaupt keines bei mir führe.

 

 

v.g.u.u.

 

 

Erwähnen möchte ich noch, dass ich etwa 1 oder 2 Jahre vorher bereits in Hinterkaifeck war und dort eine Reparatur glaublich an einem Dreschwagen ausgeführt habe. Und wurde ich wie ich mich noch erinnere in der Küche (?) empfangen.

 

Wer außer der jungen Frau am Hofe war ? ( unleserlich) oder Dienstboten, kann ich heute nicht mehr sagen. Mehr weiß ich überhaupt nicht, da ich nur einige Stunden dort war und in dieser Zeit keinen Einblick in den Hof und in die Gewohnheiten (?) der Bewohner desselben gewinnen konnte.

 

 

V.g.u.u.

 

Albert Hofner

 


Quellenhinweis:
Die eingestellten Akten werden im Staatsarchiv München unter der Archivsignatur
PolDir 8091B
verwahrt.



 

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