Aussage von Jakob Sigl 1952
Die Aussage von Jakob Sigl vom 10. Januar 1952

Landpolizei Bayern

Chefdienststelle Schwaben

-Kriminalstelle-

Schiltberg, den 10.Jan.1952



Vernehmungsniederschrift

  

Aufgesucht in seiner Wohnung, mit dem Gegenstand der Vernehmung vertraut gemacht und zur Wahrheitsangabe ermahnt, gibt Jakob Sigl folgendes an:

Zur Person:

Sigl, Vorname Jakob,verh.Landwirt,geb.17. Juli 1891 in Gröbern, Gde.Wangen, Lkrs. Schrobenhausen, wohnhaft in Schiltberg, Hs. Nr.41 1/3 LK Aichach

Zur Sache:

„Von meiner Geburt bis zum Jahre 1933 war ich in Göbern wohnhaft. Ich hatte dort das Anwesen Haus Nr.27. An die Mordtat in Hinterkaifeck kann ich mich noch gut erinnern. Die seinerzeit Ermordeten waren mir gut bekannt. Sie waren friedliebende Leute und man konnte jederzeit Hilfe von ihnen erwarten. Auch Karl Gabriel, der die Tochter Viktoria Gruber geheiratet hat, habe ich gut gekannt. Nach meiner Ansicht war Gruber Andreas mit der Heirat seiner Tochter Viktoria mit Karl Gabriel einverstanden. Er war wenigstens seinerzeit Trauzeuge. Über das Eheleben der Eheleute Gruber ist mir nichts Nachteiliges bekannt geworden. Erzählen hörte ich, dass der Vater ( Gruber Andreas) mit seiner leiblichen Tochter ( Frau Gabriel) Blutschande getrieben habe. Zu welcher Zeit dies war, weiß ich nicht genau; ich habe davon erst erfahren als die Beiden deswegen eingesperrt wurden. Nach meiner Ansicht trieben die beide Blutschande, während der Zeit in der sie bereits mit Karl Gabriel verheiratet war. Dies schließe ich daraus, weil der junge Baur ( Karl Gabriel) seine Frau verlassen hat und wieder in sein Elternhaus zurückgegangen ist. Wie lange er damals weggegangen war, weiß ich nicht. Ich selbst war zur damaligen Zeit nicht in Gröbern wohnhaft, da ich in Brunnen im Dienst war. Daraus ist zu schließen, dass das junge Ehepaar Gabriel nicht gut mitsammen ausgekommen sind. Nach meiner Ansicht heiratete Gabriel die Viktoria Gruber in der Hauptsache deshalb, weil auf dem Anwesen in Hinterkaifeck viel Sach und Geld vorhanden und Viktoria die einzige Tochter war.

Bei Kriegsanbruch 1914 musste Karl Gabriel sofort einrücken. Dieser ist im ersten Kriegswinter in Frankreich gefallen. Aus dieser


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Ehe ist ein Kind hervorgegangen. Im Jahre 1915 musste ich selbst zum Militäreinrücken. An Weihnachten 1918 kam ich wieder in meine Heimat nach Gröbern zurück. Als ich wieder zu Hause war, erfuhr ich, dass Andreas Gruber und seine verw. Tochter ,Viktoria Gabriel, wegen Blutschande eingesperrt waren. Ich muss mich berichtigen, dass ich nicht mit Sicherheit sagen kann, ob auch Viktoria Gabriel eingesperrt war. Ich selbst bin zwar damals einige Male in das Anwesen Hinterkaifeck gekommen, gearbeitet habe ich dort nie. Mein Bruder Josef weiß über die Verhältnisse dort mehr Bescheid wie ich, weil dieser mit Karl Gabriel gut befreundet war. Josef Sigl ist heute in Schenkenau bei Hohenwart wohnhaft. Er hat dort eine Gastwirtschaft.

Der Landwirt Lorenz Schlittenbauer von Gröbern wurde um die Jahre 1917/18 Witwer. Seine Frau war krebskrank. Schon während seine Frau krank war, soll er mit der Viktoria Gabriel intime Beziehungen unterhalten haben. Die Beziehungen waren nicht ohne Erfolg. Zur damaligen Zeit kam Schlittenbauer zu mir und sagte, dass der Erzeuger des von der Viktoria zu erwartenden Kindes nicht er, sondern ihr Vater Andreas Gruber sei. Er sagte damals wörtlich zu mir: „Der Vater ist der Vater, der hats a ghabt.“ Weiter sagte Schlittenbauer damals zu mir, dass ihm die Viktoria dies eingestanden habe und dass er nun den Andreas Gruber einsperren lasse. Ich wollte den Schlittenbauer davon abhalten und sagte, er solle doch jetzt ( es war um die Zeit der Ernte) den Gruber nicht einsperren lassen. Er ließ sich aber nicht davon abhalten und ging zur Gendarmerie nach Hohenwart, wo er wegen Blutschande Anzeige erstattete. Gruber wurde dann verhaftet und war einige Zeit eingesperrt. Man erzählte damals, dass, nachdem Gruber eingezogen war, die Viktoria Gabriel den Lorenz Schlittenbauer zur Zurücknahme seiner Anzeige umgestimmt hat. Die Gabriel soll damals dem Schlittenbauer einen Schurz voll Geld überbracht haben. Bei dieser Gelegenheit soll Schlittenbauer zunächst nicht einverstanden gewesen sein und die Gabriel aufgefordert habe, dass sie auch noch das andere Geld, das sie noch zu Hause habe, bringen solle. Es kam vor dem Bürgermeisteramt in Wangen zu einem Sühnetermin, bei dem Schlittenbauer wahrscheinlich seine Angaben zurückgenommen hat. Gruber Andreas wurde dann aus der Haft wieder entlassen.

Schlittenbauer soll dann die Vaterschaft zu dem Kind Josefanerkannt haben. Er hat aber keine Alimente bezahlt. Etwa 14 Tage vor der Mordtat soll Viktoria Gabriel mit dem bereits verstorbenen Gastwirt von Gröbern Thomas Schwaiger, zum AG. Schrobenhausen gegangen sein und Forderungsklage gestellt haben gegen Schlittenbauer. Ob Schwaiger auch mit beim AG. war ,weiß ich nicht. Mir ist nur bekannt geworden, dass Viktoria Gabriel und Thomas Schwaiger zusammen nach Schrobenhausen gegangen sind.

 

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Auf dem Weg dorthin soll die Gabriel dem Schwaiger ihr Vorhaben in Schrobenhausen ( Gang zum AG. Und Klagestellung gegen Schlittenbauer) unterbreitet haben.
Etwa 8 oder 14 Tage später, nach diesem Gang der Gabriel nach Schrobenhausen, wurde in Gröbern die Mordtat in Hinterkaifeck bekannt.

An einem mir nicht mehr näher bekannten Tag, entweder Ende März oder anfangs April 1922 ,verunglückte mein Bruder Karl Sigl, der damals beim Bauern Raimund in Hohenried als Knecht beschäftigt war. Ihm gingen die Pferde durch. Im Auftrag meines Vaters musste ich meinen Bruder in mein Anwesen, Gröbern,Hs.No.27 , bringen .Damals kamen mein Bruder und ich zwischen 16 – 17 Uhr zu Hause an. Kaum, dass ich daheim war, kam Schlittenbauer zu mir in die Wohnung und sagte folgendes: „Der Monteur, der in Hinterkaifeck eben gearbeitet hat, sagte zu mir, dass sich dort niemand rührt und ich glaube, die habens alle erschlagen oder die haben sich aufgehängt.“ Gleichzeitig forderte Schlittenbauer mich auf, dass ich mit zum Anwesen Hinterkaifeck gehen solle um Nachschau zu halten. Ich erwiderte ihm, dass ich mit ihm allein nicht zum Anwesen Hinterkaifeck gehe, er solle doch auch noch den Nachbarn Pöll mitnehmen. Schlittenbauer und ich gingen dann von meiner Wohnung zum Anwesen Pöll. Unmittelbar darauf kamen Schlittenbauer und Pöll zu mir auf die Straße und wir setzten dann unseren Weg zum Anwesen Hinterkaifeck fort. Zur damaligen Zeit lag kein Schnee. Erwähnen muss ich jedoch, dass wenig Tage vorher Schnee gefallen war, der einige Tage liegen blieb. Vorausschicken muss ich noch, dass ich am Donnerstag ( 30.3.22) vor der Tat in Hinterkaifeck in Schrobenhausen auf dem Viehmarkt war. Bei dieser Gelegenheit bin ich mit meinem Schwiegervater Kaspar Stegmair, zusammengetroffen. Mein Schwiegervater war in Gröbern wohnhaft und ist inzwischen verstorben. Als Stegmair an jenem Donnerstag von Gröbern nach Schrobenhausen ging, kam er an dem Anwesen Hinterkaifeck vorbei. Bei dieser Gelegenheit kam er ins Gespräch mit Andreas Gruber. Dieser sagte meinem Schwiegervater, dass im Schnee eine Spur zu seinem Anwesen gehe, er glaube, dass Spitzbuben in seinem Hause seien. Stegmair soll Gruber aufgefordert haben, das Anwesen durchsuchen zu lassen, worauf Gruber erwiderte, dass er sich nicht fürchte. Dies war für meinen Schwiegervater Anlass genug, dass er mich aufforderte, heute rechtzeitig nach Hause zu gehen, damit nichts passiere.


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Auf dem Weg von Gröbern nach Hinterkaifeck gingen wir der Straße entlang bis zum Anwesen Hinterkaifeck. Erwähnen möchte ich, dass Schlittenbauer auch seinen damals etwa 12-14 Jahre alten Sohn mit zum Anwesen Hinterkaifeck genommen hat. Wir gingen also zu 4 nach Hinterkaifeck. Am Anwesen angekommen, gingen wir zunächst auf der Straße an der Nordseite des Anwesens vorbei. Beim Backhaus bogen wir nach links in den Hof ein. Uns voran ging Schlittenbauer. Hund sahen wir zunächst keinen. An eine Haustür oder an ein Fenster sind wir nicht gegangen, wie es allgemein üblich ist, um Einlass begehrt. Auf Geheiß von Schlittenbauer gingen wir vom Hof aus an das Scheunentor. Dieses war zu, jedoch von innen nicht versperrt. Ich sagte, dass man von hier aus nicht in das Anwesen kommen könne. Schlittenbauer sagte zu mir, ich solle ihm anziehen helfen, das Tor gehe schon auf. Tatsächlich ging dann dieses Tor auf. Von der Tenne aus war die Futterkammer, die sich links der Tenne befand, zu übersehen. Schon von der Tenne aus konnte ich sehen, dass von der Stalltüre ein Jungrind in die Futterkammer sah. Es ragte der Kopf in die Futterkammer heraus. Schlittenbaur ging gleich voraus, stieg über die Leichen, die in der Futterkammer am Boden lagen, hinweg, brachte das Jungrind in den Stall zurück und wollte es anhängen. Inzwischen waren Pöll und ich an den Leichenhaufen hingekommen. Ich sah dort, dass unter einem Heuhaufen, auf welchem noch eine Türe lag, Füße herausragten. Ich schrie gleich dem Schlittenbauer, der im Stall war und sagte: „Lenz da geh her, da liegt was.“ Schlittenbauer kam sofort herbei, räumte zunächst die Türe und das Heu etwas weg, sodass die Leichen sichtbar wurden. Die Leichen lagen mit dem Kopf zur Stallseite, die Füße ragten in die Futterkammer hinein. Das war die Lage der Cäcilie Gruber und der Viktoria Gabriel. Über diesen beiden Leichen lag , quer mit dem Kopf nach Süden, Andreas Gruber. Die erstbeschriebenen Leichen hatten Rückenlage, Gruber, Andreas hatte Bauchlage. Gruber Andreas war nur mit Hemd und Unterhose bekleidet. Über die Art seiner Verletzungen kann ich keine Angaben machen. Schlittenbauer erfasste die Leiche des Gruber und legte diese mehr in Richtung Tenne. Eine Beschreibung der Bekleidung der beiden Frauen ( Gruber und Gabriel) ,sowie über deren Verletzungen kann ich keine Angaben machen. Ich weiß nur, dass sämtliche Leichen das Gesicht voll Blut hatten und dass die Frauen Haare in den Händen festhielten. Auch diese beiden Leichen legte Schlittenbauer neben die Leiche des Gruber in Richtung zur Tenne. Während Schlittenbauer die Leichen umlegte, fanden wir auch das Mädchen, Cäcilie Gabriel, in der Futterkammer tot auf. Sie lag mehr auf der Motorenhausseite und war ebenfalls mit etwas heu zugedeckt. Schlittenbauer nahm auch diese Leiche und legte sie zu den anderen. 

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Von der Futterkammer aus, voraus Schlittenbauer , gingen wir in den Stall. Im Stalle bellte der Hund. Dieser war am Kopf verletzt. Ich muss mich berichtigen, zunächst haben Pöll und ich den Stall nicht betreten. Ich selbst sagte, dass ich durch den Stall nicht gehe, er –Schlittenbauer- solle die Haustüre aufsperren. Während Pöll und ich von der Futterkammer über die Tenne zum Hof gingen, ging Schlittenbauer durch den Stall und sperrte die Haustüre die zum Hof hinausführte, mit einem Schlüssel auf. Ich hörte von außen, dass Schlittenbauer mit dem Schlüssel das Schloss in Tätigkeit setzte. Unmittelbar nach dem Betreten des Hausflures wollte ich die Türe zum Schlafzimmer, welches sich rechts vom Eingang befand, öffnen. Ich drückte, wie üblich die Türklinke nach unten. Die Türklinke gab nicht nach. Schlittenbauer sagte zu mir, dass ich die Türklinke anheben müsse, weil diese von unten nach oben getätigt wird. Zu irgendeiner Zeit –ich glaube es war, als Schlittenbauer im Stall noch war – sagte er, dass er gleich nach seinem Buben sehen müsse. Davon habe ich ihn zunächst abgehalten und aufgefordert, er solle die Haustür aufmachen. Nachdem ich im Hausflur die Schlafzimmertüre geöffnet hatte, gingen wir alle 3 in das Schlafzimmer. Im Zimmer stand ein Kinderwagen, in welchem die Leiche des Kindes Josef lag. Das Dach vom Kinderwagen war durchgeschlagen und das Hirn des Kindes hing am Dach des Kinderwagens. In diesem Raum befanden sich zwei groß Betten und glaublich eine Kinderbettstelle. Den Zustand der Bettenweiß ich nicht genau. Ich erinnere mich, dass die Schubläden von Kleiderkästen auf den betten lagen, dass die Sparkassenbüchsen der Kinder ebenfalls dort lagen, desgl. auch eine Brieftasche. Die Türen von den Kästen standen offen, jedoch war nichts in Unordnung gebracht. Schlittenbauer suchte in diesem Raum eine Kerze und zündete diesen für seinen Buben als ewiges Licht, wie er sagte, an. Ich selbst ging nun aus dem Schlafzimmer heraus und ging in die Küche. Dort war alles in Ordnung. Auf dem Küchenherd stand eine Emailschüsselmit Brotsuppe. Ich selbst habe mich davon überzeugt, dass aus der Schüssel noch keine Brotsuppe entnommen war. Von der Küche aus stand die Türe offen und ermöglichte mir einen Blick in die anschließende Kammer. In dieser Kammer sah ich am Boden, unter einer Bettzudecke ( Oberbett) ,beschuhte Füße herausragen. Ich schrie sofort nach Schlittenbauer und sagte:“Hö Lenz, da liegt auch einer, da müssen sie einen erschlagen haben“ Schlittenbauer kam sogleich in die Kammer, nahm die Bettdecke weg und besah sich die Leiche. Dabei sah ich, dass es sich um eine Frauensperson handelte.


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Anschließend ging ich zum Hausflur zurück und öffnete die Türe zur Wohnstube. Dort war alles in Ordnung. Es stand ein Bett, das noch voll in Ordnung war, in der Wohnstube.

Vorausschicken möchte ich, dass Pöll und ich dem Schlittenbauer sofort, als wir die Leichen aufgefunden hatten und er sich daran zu schaffen machte, sagten, er solle doch die Leichen so liegen lassen, wie sie sind. Schlittenbauer entgegnete, dass er dies genau sehen müsse. Pöll machte ihm  (Schlittenbauer) aufgrund seines Verhaltens am Tatort zum Vorwurf, dass er die Personen in Hinterkaifeck selbst erschlagen habe. Von der Küche aus ging ich auch noch in den Stall. Das Vieh machte auf mich als Landwirt nicht den Eindruck, als ob es schon mehrere Tage ohne Futter war. Ich glaube sogar, dass ein Mutterkalb vorhanden war und dieses hätte bestimmt laut geschrien, wenn es eine oder mehrere Mahlzeiten nicht gefüttert worden wäre. Außerdem befanden  sich auch etwa 8 Wochen alte Ferkel im Stall. Auch diese verhielten sich allgemein ruhig. Schlittenbauer meinte nun, dass ich die Tenne hochsteigen und Heu herunterwerfen solle, damit das Vieh sofort gefüttert werden könne. Pöll und ich haben aber nicht mehr mitgemacht  und sagten dem Schlittenbauer, dass wir heimgehen und der Gendarmerie Meldung erstatten. Der Sohn des Schlittenbauer, namens Hans, ist dann auf Geheiß seines Vaters, nach Auffindung der Lichen sofort zum Bürgermeister gegangen, dass von dort die Gendarmerie verständigt wurde.

Schlittenbauer leistete meiner Aufforderung, allesunverändert am Tatort zu lassen und auch das Vieh vor Eintreffen der Polizei nicht zu füttern, keine Folge. Er machte sich sehr beschäftigt ,ging gleich in den Keller, holte Milch und fütterte damit di Schweine. Auf dem Heimweg sagten Pöll und ich nichts. Auffallend war jedoch an der ganzen Sache, dass Schlittenbauer alles veränderte, was zu verändern war und überall im Haus genau Bescheid wusste. Nach meiner Ansicht kam Schlittenbauer zu Lebzeiten des Gruber nicht so viel in das Haus in Hinterkaifeck, dass er so Bescheid wissen konnte.

Die Nacht über war ich dann zu Hause. Am nächsten Morgen musste ich zum Anwesen in Hinterkaifck kommen, wo bereits die Gerichtskommission tätig war. Als ich der Gerichtskommission meine tags zuvor  gemachten Wahrnehmungen an Ort und Stelle schilderte, fiel mir auf, dass plötzlich ein Heuseil in der Tenne, unmittelbar bei den Toren, vom Gebälk herunterhing. Ich weiß bestimmt, dass dieses Seil am Tag zuvor nicht an diesem Ort gehangen hat. Dies weiß ich deshalb so genau, weil wir beim Durchschreiten der Tenne noch keine Leichen gesehen hatten und ich dachte, dass sie irgendwo oben hängen. Aus diesem Grunde habe ich die Tenne genau besichtigt. Auch Pöll konnte

 

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Sich an das Heuseil von tags zuvor nicht erinnern.

Auffallend ist, dass 2 oder 3 Tage vor Entdeckung der Tat aus dem Anwesen Schlittenbauer Heu gestohlen worden sein soll.  Aus diesem Grund hätte sich Schlittenbauer in den Abendstunden jeweils auf seinem Dachboden versteckt gehalten, um einen Täter evtl. zu überraschen. Seine Kinder haben damals immer ausgesagt, dass der Vater sich auf dem Heuboden versteckt aufhalte, um den Täter zu erwischen. Ich betrachte dies als Vorwand und kann mir denken, wo Schlittenbauer sich in der Zeit aufgehalten hat.

Einige Jahre nach der Tat in Hinterkaifeck wurde in der Gastwirtschaft reger in Waidhofen über den Mordfall gesprochen. Seinerzeit war auch Schlittenbauer in der Gastwirtschaft anwesend. Schlittenbauer vertrat  dabei jeweils  den Standpunkt, dass der Täter ein leichtes Handeln hatte, weil der Herrgott die Blutschande, die Vater und Tochter getrieben haben, gerächt hat. Auf höhere Macht hin wurden die Opfer hintereinander in den Stall gelockt und der Täter durfte nur hinhauen. Dieser konnte gar nicht fehlschlagen.

Im Futterbarren lag eine große Stockhaue. Wie die dort hingekommen ist, weiß ich nicht.

Meine Angaben habe ich freiwillig und ohne Zwang abgegeben. Sie entsprechender Wahrheit und werden meinem Sinne nach niedergeschrieben, was ich nach Vorlesung des Protokolls mit meiner Unterschrift bestätige.“

Geschlossen: Zeugen: 

Prähofer 

Mußbaum

(Okomm.d.LP.)


Vorgelesen erhalten, genehmigt u. unterschr.

 

 

Jakob Sigl 



Quellenhinweis:
Die eingestellten Akten werden im Staatsarchiv Augsburg unter der Archivsignatur
StAnwA 1 Js 244/52
verwahrt.




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