Die Münchner Kriminalpolizei am Tatort

Die Münchner Kriminalpolizei am Tatort  


Die Kriminalabteilung der Münchner Polizeidirektion wurde am 5.4.1922 um 18.15 Uhr vom Mordfall Hinterkaifeck telefonisch unterrichtet.  

Gegen 21.30 Uhr machten sich Kriminaloberinspektor Reingruber, Kriminalkommissär Georg Neuß, Oberwachtmeister Herman Kraus, die beiden Polizeihundeführer Oberwachtmeister Michael Bohlein, Wachtmeister Josef Föhringer mit den Fährtenhunden “Argus” und “Flora”, sowie Kriminalsekretär Andreas Biegleder vom Erkennungsdienst in einem Kraftwagen von München aus auf den Weg nach Hinterkaifeck.  

Im Leuschner-Film wurde darüber berichtet, dass der Mannschaftswagen der Polizeidirektion aufgrund eines Hörfehlers am Telefon zunächst statt nach Hinterkaifeck bei Waidhofen nach Schweitenkirchen gefahren ist. Daher ist es zur späten Ankunft in Wangen gekommen.  

Gegen 1.30 Uhr trafen sie im Haus von Bürgermeister Greger in Wangen ein und wurden von diesem darüber unterrichtet, dass die Gerichtskommission aus Schrobenhausen unter Führung von Oberamtsrichter Johann Konrad Wießner den Tatort bereits untersucht hat. Greger wurde noch in der Nacht in seinem Haus vernommen.  

Gegen 5.30 Uhr am 5.4.1922 machen sich die Polizisten der Münchner Polizeidirektion auf den Weg nach Hinterkaifeck. Sie fuhren mit dem Auto nur bis Gröbern. Von dort machten sie sich zu Fuß auf den Weg nach Hinterkaifeck.  

Am Anwesen Hinterkaifeck trafen sie sogleich auf den Zeugen Lorenz Schlittenbauer. Zunächst sahen sich die Polizisten die Toten an. Sie nahmen den von Lorenz Schlittenbauer im Futtertrog gefundenen Kreuzpickel an sich, damit er in München kriminaltechnisch untersucht werden konnte (Später ließ sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen, ob er als Tatwaffe benutzt wurde).  

Kurz darauf traf die Gerichtskommission des Amtsgerichts Schrobenhausen wieder ein, um sich auch den Tatort nochmals anzusehen. Auch die Herren Staatsanwälte Renner und Hensolt vom Landgericht Neuburg trafen am Tatort ein. Die Polizei untersuchte die Räumlichkeiten und den Dachboden. Die auf dem Dachboden versteckte blutige Tatwaffe, eine sogenannte Reuthaue, fand sie nicht, ebenso blieben das 1923 gefundene blutige Bandeisen und ein rostiges Taschenmesser unentdeckt.  

Kriminalsekretär Biegleder fertigte fünf Tatortbilder an: zwei Bilder vom Stadel mit den Leichen in unterschiedlicher Position (gestapelt und auseinandergezogen), ein Bild von der Mägdekammer mit der toten Magd Maria Baumgartner, ein Bild von Viktorias Schlafzimmer mit dem Stubenwagen des Josef und ein Hofbild.  

Bereits am Vormittag wurden die ersten Zeugen vernommen. Zunächst wurden die Auffindungszeugen Lorenz Schlittenbauer, Michael Pöll und Jakob Sigl vernommen.  

Es wurden dann die Zeugen Hans und Eduard Schirovski vernommen, die als Kaffeevertreter am 1.4.1922 am Anwesen Hinterkaifeck keinen Einlass finden konnten. Außerdem wurde die Schwester der ermordeten Magd, Franziska Schäfer, vernommen, Bernhard Gruber, der Bruder des ermordeten Andreas Gruber, Cäzilia Starringer, die Tochter der ermordeten Cäzilia Gruber aus erster Ehe, sowie Josef Schrätzenstaller, der Angaben zum letzten Knecht auf Hinterkaifeck machen sollte. Die Aussage der Schwester der ermordeten Magd umfasst nur 16 Schreibmaschinenzeilen, ein Beispiel dafür, dass die Zeugen nur recht oberflächlich vernommen wurden.  

Die Fährtenhunde suchten die Umgebung des Anwesens ab ohne Spuren zu finden. Bereits gegen 15.00 Uhr machte sich die Münchner Polizeidirektion zurück auf den Weg nach Gröbern von dort aus fuhren sie nach München ab. Gegen 19.00 Uhr trafen sie wieder in München ein.  

Somit steht fest, dass Kriminalinspektor Reingruber am 5.4.1922 nur von 6.00 Uhr morgens bis 15.00 Uhr nachmittags am Tatort war . Er ist nie wieder dorthin zurückgekehrt. Auf Veranlassung von Staatsanwalt Renner haben aber die Polizeibeamten Neuss und Kollmer aus München im April und Mai weitere Zeugen in Gröbern und Umgebung vernommen.  

Die Münchner Polizeidirektion hatte nie Einsicht in die Taufbücher genommen, was dazu geführt hat, dass das Alter der Cäzilia Gabriel fälschlicherweise jahrzehntelang in allen Veröffentlichungen immer mit 9 Jahren angegeben wurde. Ursächlich hierfür war eine falsche Altersangabe der Cäzilia durch Bürgermeister Greger im Verhör vom 5.4.1922. Dieses mag später auch immer wieder zu Spekulationen geführt, dass Cäzilia nicht die Tochter von Karl Gabriel war, weil dieser Viktoria Gabriel erst 1914 geheiratet hat.  

Der Erkennungsdienst der Münchner Polizei hat den Backofen nicht untersucht und er hat auch keine Notschlachtung eines Rindes veranlasst, um abzuklären, ob die Tiere in der Zeit nach den Morden und vor Tatentdeckung mit Wasser und Futter versorgt worden sind. Daktyloskopische Spuren wurden ebenfalls nicht gesichert.  

Am 6.4.1922 fertigte Kriminaloberinspektor Reingruber in München ein siebenseitiges Protokoll über den Mordfall Hinterkaifeck an.  

Nachträglich ermittelten Neuss und Greger vor Ort.  

Hier im Wortlaut ein Dankschreiben der Beamten Neuss und Kollmer vom 9. Mai 1922 an Bürgermeister Greger:  

"Sehr geehrter Herr Bürgermeister!  

Nachdem wir einstweilen unsere Tätigkeit abgeschlossen haben ohne aber aufzuhören die weiteren Fäden auszuspinnen, möchten wir, nachdem wir vorläufig nun wieder zuhause sind, nicht versäumen Ihnen, mein lieber Herr Bürgermeister und Ihrer sehr geschätzten Frau Gemahlin für Ihre liebenswürdige Aufnahme und Verpflegung unseren herzlichsten Dank nochmals auszusprechen.

Sie dürfen versichert sein, dass wir niemals Ihr Entgegenkommen sei es in dienstlicher, als auch in privater Art gewesen, vergessen werden und sollte es sich jemals die Gelegenheit bieten uns durch Revanche dankbar zeigen zu können, so werden wir selbstverständlich alles aufbieten uns zu bemühen unsere Schulden gleichmachen zu können.

Für heute seien Sie nun mit Ihrer werten Familie vielmals herzlichst gegrüßt und verbleiben unter vorzüglicher  
 

Hochachtung  

Ihr  

Neuß / Vollmer 
 

A.R.

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