Die fehlende Aussage von Pfarrer Haas

Die fehlende Aussage von Pfarrer Haas

Peter Leuschner schreibt auf Seite 7/8 in “Der Mordfall Hinterkaifeck” (3. Auflage): “Rätselhaft wie der Mordfall selbst sind auch die Akten. Da fehlen beispielsweise die Aussagen des ehemaligen Ortsgeistlichen. In einem später angelegten alphabetischen Namensverzeichnis heißt es unter “H” in einer winzigen handschriftlichen Bleistiftnotiz: “Pfarrer Haas in Waidhofen fehlt!! Bd. III/1061.” Der Bezeichnung “1061” nach zu schließen, war es nur ein Blatt. Was aber stand darauf? Oder sollte der Ortsgeistliche gar nicht richtig vernommen worden sein?”

Leuschner unterliegt hier offensichtlich einem Irrtum. Im genannten Registerband, dem alle drei Teilbände der Münchner Akten zugrunde liegen, fehlt die Seite 1061 keineswegs. In diesem Registerband sind alle in den Akten aufscheinenden Zeugen und Tatverdächtigen namentlich mit den entsprechenden Verweisen aufgeführt. Eine letzte Beiheftung zu Band III trägt das Datum 22. Februar 1941. 1952 wurde der Registerband zeitweise nach Augsburg abgegeben. In der Zwischenzeit dürfte dieses Register von einem unbekannten Bearbeiter angefertigt worden sein.

Pfarrer Haas ist von diesem Bearbeiter anscheinend übersehen worden, handschriftlich wurde später nachgetragen: “Pfarrer Haas in Waidhofen fehlt!!”. Verwiesen wird mit “S. 1061” aber nicht auf eine Aussage von Haas, sondern auf die Vernehmung des Lehrers Hans Yblagger vom 19. Februar 1931, der von Oktober 1922 bis Oktober 1927 in Waidhofen tätig war. Dort ist zu lesen: “Ich habe natürlich auch mit Pfarrer Haas öfter über den Mordfall gesprochen. Es sind da aber unsere Meinungen über den Täter auseinander gegangen. Während Pfarrer Haas immer den Gütler Kaspar für den verdächtigeren hielt, war ich der Meinung, dass Schlittenbauer mehr verdächtig wäre.”

Eine weitere (im Registerband auch nachträglich nicht eingetragene) Erwähnung von Pfarrer Haas findet sich in der Niederschrift der Vernehmung von Wenzeslaus Bley vom 08.08.1930. Bley beruft sich dabei auf Yblagger. Haas soll diesem erzählt haben, daß er Lorenz Schlittenbauer “wegen seinem Leiden nach Wörishofen geschickt habe”.

 

R.P.

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