Schreiben des Sicherheitskommissärs Georg Goldhofer

Der erste Gendarmenbericht aus dem Jahr 1922


Schreiben des Sicherheitskommissärs Georg Goldhofer an das Bezirksamt in Schrobenhausen vom 6.4.1922


An das Hohenwart, den 6.April 1922
Bezirksamt Schrobenhausen

Betreff:
Sechsfacher Raubmord in
Kaifeck bei Gröbern, Gem.Wangen,
Gem. Schrobenhausen

 

Am Dienstag, den 4. April 1922 wurde im Anwesen der Gütlerswitwe Viktoria Gabriel in Gröbern bzw. Kaifeck Gem. Wangen die Wahrnehmung gemacht, daß in demselben in auffallender Weise das Vieh brüllte sich aber sonst gar nichts in demselben rühre.
Nach der Ueberzeugung, daß in demselben etwas ganz besonderes vorgefallen sein muß, hat der Landwirt Lorenz Schlittenbauer mit dem Landwirt Michael Pöll und Karl Siegl sämtl. In Gröbern wohnhaft dort Nachschau gehalten und die sämtl. Türen im gen. Anwesen verschlossen vorgefunden.

Wegen dieses Umstandes sind dieselben gewaltsam in dasselbe eingedrungen und haben dort im Stadel neben der Stalltüre die Leiche der Besitzerin des Anwesens, Viktoria Gabriel und neben dieser jene ihrer 7 jähr. Tochter Zäzilia Gabriel und die ihrer Eltern Andreas und Zäzilia Gruber mit eingeschlagenen Schädeln ermordet aufgefunden.
Im Hause selbst haben sie dann in einer Kammer auf dem Boden die Leiche der seit 31.3.1922 bei Gabriel bediensteten Magd Maria Baumgartner von Kühbach bei Aichach und im Schlafzimmer der Gabriel im Kinderwägelchen jene des am 9.9.1919 geborenen Söhnchens der Gabriel Josef Gruber, weil außerehel. geb. unter den gleichen Umständen ermordet aufgefunden.
Die Tat dürfte nach den bisherigen Erhebungen schon am Freitag, den 31.3.1922 nachmittags gegen 9 Uhr verübt worden sein und nach dieser von den noch vollständig unbestimmten Tätern auch noch ein größerer und nicht bekannt wie hoher Geldbetrag entwendet worden sein.

Von dem Mordfall, welcher erst am 4.ds.Monats nachm. 6 h dahier zur Kenntnis gelangte, wurde auf telefonischem Wege sofort die Hauptstation Schrobenhausen und von dieser dann das Amtsgericht, Polizei-Direktion München und die Staatsanwaltschaft Neuburg verständigt. Vom polizeil. Erkennungsdienst sind dann gestern früh mehrere Beamte mit 2 Hunden am Tatort eingetroffen und sind dort bis zum Eintreffen der Gerichtskommission , welche bereits am 3.4.1922 nachmittags gegen 9 ½ zur Augenscheinsaufnahme angekommen war, die wichtigsten Erhebungen ohne Anhaltspunkte welche auf verdächtige Personen schließen lassen, die als Täter in Frage kommen könnten, vorgenommen worden.

 

Georg Goldhofer

Sicherheitskommissär


Quellenhinweis:
Die eingestellten Akten werden im Staatsarchiv München unter der Archivsignatur
PolDir 8091B
verwahrt.


 

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