Verlust des Haustürschlüssels von HK

Der Verlust des Haustürschlüssels  
 

Am Vormittag des 30.3.1922 erwähnt Andreas Gruber seinem Nachbarn Lorenz Schlittenbauer gegenüber, dass er seinen Haustürschlüssel vermisse. Außerdem erwähnt er etwas später den Verlust des Schlüssels gegenüber dem vorbeifahrenden Gütler Kaspar Stegmeier aus Gröbern.  

In seiner Aussage vom 5.4.1922 erwähnt Lorenz Schlittenbauer nicht, dass der ermordete Gruber ihm von dem Verlust des Schlüssels berichtet habe. Er erwähnt dieses allerdings während seiner polizeilichen Vernehmung vom 31.3.1931 gegenüber dem Polizeibeamten Riedmayr von der Münchner Polizeidirektion. Gleichzeitig sagt er auch noch aus, dass er ganz sicher sei, dass die Hinterkaifecker nur im Besitz EINES Haustürschlüssels waren.  

Im Leuschner-Buch 1. Auflage 1997 S.22 ist zu lesen, dass Gruber Kaspar Stegmeier gegenüber den Verlust des ZWEITEN Haustürschlüssels beklagt hat.  

Diese Unstimmigkeit in der Aussage des Kaspar Stegmeier ist nicht nachprüfbar, da die Aussage des Kaspar Stegmaier im Münchener Staatsarchiv nicht vorhanden ist.  

Kaspar Stegmaier war der Schwiegervater des Jakob Sigl. Sigl erwähnt in seiner Aussage vom 10.1.1952, dass Andreas Gruber seinem Schwiegervater am 30.3.1922 die Geschichte mit den Fußspuren im Schnee erzählt habe ( eine Spur führt ins Haus, aber keine vom Haus hinweg). Den Verlust des Haustürschlüssels erwähnt er jedoch nicht.  

Staatsanwalt Pielmaier nimmt in seinem Bericht vom 6.11.1926 aber Bezug auf die Aussage des Stegmaier. Er schreibt, dass Andreas Gruber den Zeugen Schlittenbauer und Stegmaier gegenüber angegeben habe, dass ihm ein Hausschlüssel abgehe. Aus dieser Formulierung könnte man eventuell schließen, dass mehrere Haustürschlüssel vorhanden gewesen sein müssen, andernfalls wäre die Rede vom Verlust des Haustürschlüssels gewesen. Allerdings ist dieser Hinweis vage.  

Der Verlust des Haustüschlüssels spielt auch in der Aussage des Wenzeslaus Bley eine Rolle. Er berichtet davon, dass Frau Gabriel vor dem Mord bei Leuten oder in Geschäften erzählt habe, dass bei ihnen der Haustürschlüssel schon ein paar Tage fehle.  

Der Verlust des Schlüssels wird auch durch einen Bericht ein lokalen Zeitung gestützt, in dem steht, dass an der Haustüre ein frisch angebrachter Riegel zum Verschließen war.  

Ergänzend muss erwähnt werden, was Jakob Sigl im Weltbild-Interview vom April 1952 über den verlorenen Schlüssel berichtet hat.  

Sigl berichtet, er sei am Freitagnachmittag auf dem Feld beim alten Gruber vorbeigegangen. Da habe Gruber erzählt, er habe zwei Spuren im Schnee gesehen, die in sein Haus führten aber nicht mehr vom Haus weg. Er habe dann gefragt, ob er denn etwas vermisse. Gruber habe geantwortet, dass nur der Haustürschlüssel verschwunden sei.  

Dann berichtet er darüber, dass Schlittenbauer am Abend des 4.4.1922 gleich in den Stall gegangen sei, denn die Stadeltür sei offen gewesen. Und dann habe er ihm und Pöll von innen mit dem Haustürschlüssel aufgeschlossen. "Lorenz" habe er zu ihm gesagt "woher hast Du den Schlüssel? " Er habe geantwortet: "Der hat in der Tür drinnen gehangen."  

Und weil er das mit dem verschwundenen Schlüssel dann erzählt habe, habe er vom Gericht zwanzig Mark Strafe bekommen, wegen Verleumdung. Ihn habe der Schlittenbauer angezeigt, den Pöll nicht. Vor ihm habe er Angst gehabt.  

Nach Angaben von Lorenz Schlittenbauer in der Zeugenvernehmung vom 30.3.1931 hat der Haustürschlüssel am 4.4.1922 innen in der Haustüre gesteckt, so dass er mit diesem Schlüssel die Haustüre öffnen konnte und die Nachbarn Michael Pöll und Jakob Sigl einlassen konnte. 

A.R.

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