Vermerke zu den privaten Ermittlungen von Friedrich Hammer und Franz Knauer im Jahre 1929
Vermerke der Münchner Polizeidirektion und der
Gendarmeriestation Schrobenhausen zu den privaten Ermittlungen von Friedrich Hammer und Franz Knauer im Jahre 1929

München, den 14. Juli 1929

Betreff:
Der Raubmord in Hinterkaifeck

I.Vormerkung
Am 14. Juli 1929 nachm. 3 ½ Uhr haben sich bei der Polizei Direktion München freiwillig eingefunden
Der verh. Hilfsarbeiter u. Reisende Friedrich Hammer, wohnhaft in Augsburg , Katzbachstr. 34 u.
Der verh. Hilfsarbeiter Franz Knauer, wohnhaft in Augsburg,
Schleiermacherstr. 27 und bringen vor:
Wir haben in der Raubmordsache Hinterkaifeck weitere Nachfrage nach den Mördern gehalten und folgendes erfahren:
Am 9. Juli 1929 waren wir in Gröbern und haben dort mit der Frau Sigl ( Hausname Hauserbauer) über den Raubmord in Hinterkaifeck gesprochen. Diese sagte zu uns: Schlittenbauer hat meinen Mann an einem Tage abends um 5 Uhr geholt und gesagt, mein Mann möchte mit ihm gehen nach Hinterkaifeck, dort muss etwas los sein, entweder sind alle aufgehängt oder erschlagen. Gleichzeitig ist noch ein Bauer aus Gröbern ersucht worden mitzugehen (Bauer Pöll, der mittlererweile verstorben sein soll)

Wie mein Mann dann von Hinterkaifeck zurückkam und von der Ermordung der Familie Gruber erzählte, hat er auch gesagt, dass der Schlittenbauer von „hinten“ ins Haus hinein ist, dann die Türe von innen aufgesperrt und sie durch das Scheunentor beim Maschinenhaus ins Haus gelassen hat. In der Tenne hätten die Füße von einem Mann unter dem Heu hervorgeschaut und da hätte Schlittenbauer ohne weiteres gesagt, „das ist der Gruber“. Es ist dies dem Sigl sogleich aufgefallen, dass Schlittenbauer den Gruber an den Füßen erkannt hat.

Auf diese Angaben der Frau Sigl wollten wir den Sigl selber sprechen, dieser war aber nicht zu erreichen. Nach den Angaben der Frau Sigl, die wir für glaubhaft halten, haben wir die Überzeugung dass nur Schlittenbauer der Mörder der Familie Gruber ist.

Wir sind auch in Koppenbach bei dem Wirt Wallner (Anm. muss Walter heißen) gewesen. Die Wirtleute haben zu uns gesagt, „die Bürstenhausiererin von Gröbern könnte schon sagen, wer der Mörder ist, sie traut sich nicht, es geht sie nichts an.“
In Koppenbach waren an diesem Tage Zimmerer mit Aufstellen eines Dachstuhls beschäftigt gewesen und haben die Hebeweinfeier abgehalten. Dort hat der Zimmermeister Lohnhüter (Anm. muss Sanhüter heißen) in Koppenbach zu uns gesagt: „er brauche den Raubmörder von Hinterkaifeck bloß zu nennen“. Damit meinte er zweifellos nur den Schlittenbauer. Die Zimmerleute waren allerdings etwas angestochen.

Weiter haben wir erfahren, dass der Plöckl von Wangen, Einlasser bei der Dampfmaschine, am Samstag nach dem Mord an dem Anwesen Hinterkaifeck vorbeigegangen ist und im Backofen Licht gesehen hat. Es war dies nachts und ihm ist dies aufgefallen.

Plöckl kann vielleicht weitere Angaben machen.

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Zu den Angaben der Frau Sigl ist zu bemerken, dass ihr Mann am 5. April 1922 über die Vorgänge bei Auffindung der Leichen vernommen worden ist. Seine Angaben weichen aber bedeutend von denen der Ehefrau Sigl ab. Es wurden damals auch Pöll und Schlittenbauer vernommen und die Angaben dieser beiden stimmen mit den damaligen Angaben des Sigl ziemlich überein.

Eine Abschrift der damaligen Angaben des Sigl liegt an.

Hammer und Knauer erklärten weiteres Material zur Überführung Schlittenbauers wegen Mordes zu sammeln. Beide sind arbeitslos und halten sich, wie sie selbst zugeben, häufig in der Umgebung von Schrobenhausen auf, fragen die Leute aus und sind beide jetzt schon überzeugt, dass als Täter nur Schlittenbauer in Frage kommt.

Es ist deshalb die Einvernahme des Sigl zu dem Vorbringen seiner Frau geboten, an der Hand seiner früheren Angaben kann festgestellt werden, ob er nunmehr seine Angaben geändert hat. Seine früheren Angaben sollen ihm aber nicht bekannt gegeben werden.

Ebenso ist die Einvernahme des Zimmermeisters Lohnhüter (Anm. Sanhüter) und der Bürstenhausiererin von Gröbern hinsichtlich ihrer Äußerungen über das Bekanntsein des Mörders geboten. Dabei kann ihnen nahe gelegt werden, dass eventuell ihre richterliche eidliche Vernehmung folgt.

Es ist auch Plöckl (näheres unbekannt, soll in Wangen sein), Einlasser bei einer Dampfmaschine, über seine damaligen Wahrnehmungen zu hören.


II Mit 1 Beil. G. R.

An die Gendarmeriestation Hohenwart BA Schrobenhausen
Mit dem Ersuchen um eingehende Vernehmung des Jakob Sigl in Gröbern, der Wirtseheleute in Koppenbach und des Plöckl in Wangen zu dem Vorbringen der beiden Anzeiger.


Polizeidirektion München

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Gendarmeriestation Hohenwart B.A. Schrobenhausen
Zur Polizeidirektion München

Die zu den Angaben der beiden Anzeiger gepflogenen Erhebungen haben zu keinerlei weiteren Beweismitteln gegen die oder den im vorliegenden Fall in Frage kommenden Täter u. evtl. an demselben weiter beteiligten Personen geführt. Der Landwirt Jakob Sigl in Gröbern zum Vorstehenden befragt gibt an, dass er seinen in der Sache früher gemachten Angaben auch heute nichts mehr hinzusetzen könne und will über seine damals gemachten Wahrnehmungen seiner Ehefrau nicht mehr mitgeteilt haben als wie er bei seiner damaligen Vernehmung angegeben hat. Wenn seine Ehefrau den in Frage kommenden und wie es den Anschein hat auch nicht ganz einwandfreien Mannspersonen, welche in der vergangenen Woche in nicht ganz unverdächtiger Weise in Gröbern und Koppenbach aufgetaucht sind und die auch niemand genauer erkannte, etwas anderes mitgeteilt hat, dann ist dieses nicht richtig. Die Ehefrau Sigl bestreitet auch ganz entschieden, dass sie den beiden irgendwelche Mitteilungen in den von diesem vorgebrachten Sinne gemacht habe. Dieselbe behauptet, dass sie den beiden auf deren zudringliche Fragerei nur soviel und nur in dem Sinne von der Sache erzählte was sie aus den Angaben von ihrem Manne von dieser wusste.

Die fragliche Bürstenhausiererin ist mit der Gütlersfrau Magdalene Gärtner in Gröbern identisch und weiß von der Sache eigentlich gar nichts Sachdienliches anzugeben. Dieselbe wurde zu dieser Sache schon wiederholt , das letzte Mal von Herrn I. Staatsanwalt Pielmaier aus Neuburg a.d. D. in Gröbern selbst persönlich einvernommen und sind deren Angaben alle in den Akten enthalten.

Ferner sind in den Akten auch die zur Sache seinerzeit gemachten Angaben des vorgenannten Plöckl, welcher ebenfalls schon, soviel ich mich selbst noch erinnere, eingehender Vernehmungen unterzogen wurde und nichts Sachdienlicheres mehr angeben kann, enthalten.

Der verh. Zimmermeister Ludwig Sanhüter in Koppenbach ein Neffe von der ermordeten Gruber, welche eine Schwester von dem verstorbenen Vater desselben ist, stellte den beiden gegenüber Angaben in den von demselben vorgebrachten Sinne gemacht zu haben in Abrede. In der Sache weiter befragt gab er an, dass dieselben am kritischen Tage gegen 11 Uhr ganz unverhofft in die Wohnung des Landwirts Josef Gürtner in Koppenbach gekommen sind und sich an der dort stattgefundenen Hebefeier beteiligten. Dabei gaben sie sich als Kriminalbeamte von München aus , machten Sprüche und zogen durch fortgesetztes Fragen über den gegenwärtigen Stand der Kaifeckmordsache Erkundigungen ein. Da den anwesenden Personen das Verhalten der beiden , unter so außergewöhnlichen Umständen erschienen und ganz unverhofft in eine Privatwohnung eingedrungenen Fremden verdächtig erschienen ist, wurde von diesen gegen dieselben auch kein weiteres Vertrauen gehegt. Dieses wurde von den beiden auch ganz gut gefühlt und infolge dieses Umstandes haben sie den Anwesenden gegenüber auch bestimmt behauptet, dass sie sich auch im Besitz der erforderlichen Ausweise befinden. Vorgezeigt haben sie einen solchen nicht. Dafür gaben sie aber an, dass es ihnen vollständig freistehe, wenn sie sich wegen ihrer Persönlichkeiten auf telefonischem Wege an die Gendarmeriestation Schrobenhausen wenden, und von wo sie dann auch über die Richtigkeit ihrer Angaben und Person bestimmte Auskunft erhalten werden.

Die Wirtseheleute Walter in Koppenbach zum Vorstehenden befragt gaben an, dass sie selbst zur Sache keine weiteren Angaben machen können und nur öfters sagen hörten, dass die Frau Gürtner in Gröbern zu derselben etwas wissen soll. Dieses habe Frau Walter den beiden, als sie am anderen Tag nach ihrem Erscheinen bei Gärtner in ihre Wirtschaft kamen erzählt. Walter selbst war zu dieser Zeit nicht zuhause und hat mit den beiden überhaupt nichts von dieser Sache gesprochen. Am vorhergehenden Tage , dem welchen sie bei Gürtner auftauchten, kamen sie nachm. Gegen 11 Uhr vor die Waltersche Wirtschaft um dortselbst wie sie angaben zu übernachten. Da sich dortselbst schon alles in der Ruhe befand wurden sie von Walter abgewiesen. Bei dieser Gelegenheit gab einer von den beiden an, dass er Kriminaler aus Augsburg und sein Begleiter Kaufmann von dort sei. Wegen seines Verhaltens werde er dafür sorgen, dass ihm die Wirtschaft gesperrt werde.

Das ganze Verhalten der beiden Hammer und Knauer erscheint dringend verdächtig und dürfte wohl von niemandem verbürgt werden können, dass sie in der fraglichen Sache rein erschienen. Auch der Umstand, dass sie der Überzeugung sind, dass im vorliegenden Falle nur Schlittenbauer als Täter infrage kommt, beweist nichts. In der Sache etwas Neues ist von diesen nach keiner Richtung hin erbracht und das, was von den beiden bis jetzt ermittelt werden konnte, ist doch alles schon wiederholt, ja schon viel mehr erhoben und in den Akten erhalten.

Hohenwart, den 19. Juli 1929
Gendarmeriestation

Gez. Goldhofer

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I. Durch die Angaben des Hammer u. Knauer konnten weiteres Beweismaterial gegen Schlittenbauer nicht erbracht werden. Das Motiv, der Beweggrund und der Endzweck einer solch schweren Tat seitens Schlittenbauer ist nicht verständlich. Die genannten brachten vor, es liege ein Racheakt vor, sie waren aber nicht in der Lage anzugeben, worin der Racheakt gelegen haben soll. Die früheren Beziehungen Schlittenbauer zu den Familien Gruber und Gabriel dürften sich durch die Verehelichung Schlittenbauer gelöst haben. Er hat die Alimente für sein Kind im Voraus bezahlt u. ist nicht anzunehmen, dass es nachträglich hierwegen zu Auseinandersetzungen gekommen ist. Seine Vermögensverhältnisse sollen zur Tatzeit nicht ungünstig gewesen sein. Wenn es ihm um die Erlangung von Geld gewesen wäre, so hätte er das Versteck desselben wohl gewusst u. das Geld an sich genommen.

II. Erhebungen an die StA Neuburg abgesendet

III: Zu den Akten: Raubmord in Hinterkaifeck

Am 23.7.1929
Reingruber

Quellenhinweis:
Die nachfolgend eingestellten Akten werden im Staatsarchiv München unter der Archivsignatur
PolDir 8091B
verwahrt.



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