Viktoria und Karl Gabriel: Eine unglückliche Ehe?

Viktoria und Karl Gabriel - Eine unglückliche Ehe?  

Viktoria und Karl Gabriel haben am 11.3.1914 vor dem Notar Stinglwagner in Schrobenhausen einen Ehe-und Erbvertrag unterschrieben. Am 3.4.1914 haben sie geheiratet.  

Am 14.8.1914 wurde Karl Gabriel bereits ins Rekrutendepot Kösching eingezogen, so dass man davon ausgehen kann, dass die Eheleute Gabriel nur rund vier Monate zusammengelebt haben.  

Zu der Thematik, Karl Gabriel habe seine Ehefrau nach kurzer Ehezeit verlassen und sei vorübergehend zu seinen Eltern nach Laag zurückgekehrt, liegt zum einen die Aussage des Jakob Sigl vom 10.1.1952 vor. Jakob Sigl äußert sich auch dahingehend, dass seiner Meinung nach das Ehepaar Gabriel nicht gut miteinander ausgekommen sei und dass Karl Gabriel die Viktoria Gruber in der Hauptsache deshalb geheiratet habe, weil auf dem Anwesen Hinterkaifeck "viel Sach und Geld" vorhanden war und Viktoria die einzige Tochter war.  

Er gibt aber gleichzeitig an, dass er dieses nur vom Hörensagen weiß, da er zu der damaligen Zeit nicht in Gröbern, sondern in Brunnen gewohnt habe. Gleichwohl gibt er an, dass sein Bruder Josef Sigl, der eine Gastwirtschaft in Schenkenau bei Hohenwart habe, nähere Auskunft zu dieser Frage geben könne, da dieser mit Karl Gabriel gut befreundet gewesen sei. Josef Gabriel ist damals aber nicht mehr vernommen worden.  

Zum anderen liegt bezüglich von Scheidungsgerüchten die Aussage des Lorenz Schlittenbauer vom 30.3.1931 vor. Er hat ausgesagt, dass nach der Ehe bald wieder von Scheidung gesprochen worden sei und dass die alte Frau Gruber bei Eintreffen der Todesanzeige geäußert habe, dass die Scheidung nun schon da sei.  

Ob die Ehe zwischen Karl und Viktoria Gabriel endgültig zerrüttet war, lässt sich nach der kurzen Zeit des Zusammenlebens (vier Monate) aber wohl kaum abschließend feststellen.  

Ein Hinweis darauf, dass Karl Gabriel nach der Eheschließung zu seinen Eltern nach Laag zurückgekehrt ist, ergibt sich aus der Aussage des Jakob Sigl vom 10.1.1952. Sigl gibt aber auch an, dass er nicht genau sagen könne, für wie lange Zeit sich Karl Gabriel in Laag aufgehalten habe.  

Karl Gabriel ist am 14.8.1914 ins Rekrutendepot Kösching eingezogen.  
 

Es wird gelegentlich vorgetragen, dass Karl Gabriel als Freiwilliger in den Krieg gezogen sei. Auch dieses wird als Indiz für den schlechten Zustand seiner Ehe gewertet.  
 
 
In den historischen Akten befindet sich nach meinem Kenntnisstand kein Hinweis auf die Kriegsfreiwilligkeit.  
 
 
 
Karl Gabriel ist am 16.12.1888 geboren. Er war somit bei Kriegsbeginn im August 1914 25 Jahre alt gewesen.  
 
Das Gesetz der allgemeinen Wehrpflicht bestimmte damals:  
 
Jeder Deutsche ist wehrpflichtig und kann sich in Ausübung dieser Pflicht n i c h t vertreten lassen.  
 
Die Wehrpflicht beginnt mit dem vollendeten 17. Lebensjahr und dauert bis zum vollendeten 45. Lebensjahr; sie gliedert sich in Dienstpflicht und Landsturmpflicht.  
 
Die Dienstpflicht im stehenden Heer wird eingeteilt in die a k t i v e D i e n s t p f l i c h t und in die R e s e r v e p f l i c h t.  
 
Jeder wehrfähige Deutsche gehört 7 Jahre lang, in der Regel vom vollendeten 20. bis zum beginnenden 28. Lebensjahr dem stehender Heer an. Während der Dauer der Dienstpflicht im stehenden Heer sind die Mannschaften der Kavallerie und reitenden Feldartillerie die ersten drei, alle übrigen Mannschaften die ersten zwei Jahre zum ununterbrochenen Dienste bei den Fahnen verpflichtet (Aktive Dienstpflicht). Danach erfolgt der Übertritt zur Reserve (Reservepflicht).
 
 
http://www.deutschland14-18.de/  
 
Hieraus ist zu entnehmen, dass Karl Gabriel aufgrund seines Alters dienstpflichtig war und aus diesem Grunde eingezogen worden ist.  
 
Hinzu kommt, dass bei Soldaten, die sich freiwillig gemeldet haben, dieses an den Einträgen in der Kriegsstammrolle erkennbar ist, und zwar in den Spalten 2 und 10. Spalte 2 betrifft den Dienstgrad und Spalte 10 betrifft die Dienstverhältnisse.  
 
Bei denen, die sich freiwillig gemeldet haben ist dieses unter Spalte 2 vermerkt, gelegentlich findet man auch unter Spalte 10 einen Hinweis.  
 
Als Beispiel benenne ich Josef Ostermaier ( * 12.12.1892) aus Aresing, der evtl. mit den Kaifecker Ostermaiers verwandt ist.  
 
Unter Spalte 2 ( Dienstgrad) ist vermerkt:" Freiw."  
 
Unter Spalte 10 ( Dienstverhältnisse) ist vermerkt:  
 
„3.8.1914, anlässlich der Mobilmachung im August 1914 als Kriegsfrw. zum I. Ers.Btl. 10. Inf. Rgt. K.II eingerückt, 3.10.1914 zum 10. I. R. 11. Komp.ins Feld“  
 
Auf seiner Seite befinden sich noch die Einträge von Josef Nischwitz ( * 13.11.1895) und Georg Nowak ( * 13.3.1896).  
 
Bei beiden ist unter Spalte 2 ebenfalls „Freiw.“ Vermerkt.  
 
Der Eintrag von Karl Gabriel sieht demgegenüber anders aus.  
 
Unter Spalte 2 heißt es: „Ers. Res.“  
 
Unter Spalte 10 heißt es:  
 
„Am 8.14 als E.R. E [Ersatzbataillon]/R.I.R. 13, 1. Kp. [Kompanie] einger., am 8.12.14 zu 6./R.I.R. 13 [6. Kompanie Reserve-Infanterie- Regiment 13]“  
 
Nach alledem gehe ich davon aus, dass sich Karl Gabriel sich nicht als Kriegsfreiwilliger gemeldet hat. Und dass man daher auch aus seiner Kriegsteilnahme keinen Schluss auf den Zustand seiner Ehe ziehen kann.

A.R.

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