Zeugenaussagen über die Auffindung der Leichen

Zeugenaussagen über die Auffindung der Leichen


Lorenz Schlittenbauer, Auffindezeuge, 05.04.1922:
... “Mein Stolpern beachtete ich nicht weiter. Dagegen rief der hinter mir gehende Pöll: “Da ist ja ein Fuß.” Ich erwiderte darauf: “Das wäre ja noch schöner.” Ich wendete mich schnell um u. griff nach dem Fusse, zog ihn zurück u. erkannte dabei, dass dies der Andreas Gruber sei.

Ich schaute den Platz näher an u. bemerkte dabei, dass noch mehr Personen auf dem Boden liegen. Ich bemerkte dann den ander(e)n Begleitern ob denn diese Personen schon tot sind u. zog 2 davon, nämlich den Gruber und die Cäzilie Gabriel aus dem Heu hervor. Letztere legte ich ca. 1 1/2 m weiter nach links gegen die Maschine hin. Ich hatte dabei geglaubt, dass der 2 1/2 Jahre alte Josef Gabriel, mein Sohn, auch dabei sein könnte u. vielleicht noch zu retten wäre. Nachdem ich gesehen habe, dass sie kein Lebenszeichen gegeben haben, liess ich die anderen Personen liegen u. ging durch den Stallgang in die Wohnung um mich nach meinem Sohn umzusehen.”

“...wir gingen dann alle drei aus dem Hause. Während Pöll und Sigl nach Gröbern zurückgingen, blieb ich in der Nähe des Hauses Gabriel zurück…

Zutritt in die Wohnräume und des ganzen Hauses habe ich niemandem gestattet. Ich habe mich dann um das Vieh angenommen und dieses gefüttert. Nach Ankunft der Gendarmerie und des Bürgermeisters Greger habe ich mich um nichts mehr gekümmert.”

Jakob Sigl, Auffindezeuge, 10.01.1952:
“...S. suchte in diesem Raum (Anm.: Schlafzimmer der Viktoria G.) eine Kerze und zündete diese für seinen Buben an…

Vorausschicken möchte ich, dass Pöll und ich dem S. sofort als wir die Leichen aufgefunden hatten und er sich daran zu schaffen machte, sagten, er solle die Sachen so liegen lassen, wie sie sind. S. entgegnete, dass er dies genau sehen müsse. Pöll machte ihm (S.) auf Grund seines Verhaltens am Tatort zum Vorwurf, dass er die Personen in HK selbst erschlagen habe…

S. meinte nun, dass ich zur Tenne hinaufsteigen und Heu herunterwerfen solle, damit das Vieh sofort gefüttert werden könne. Pöll und ich haben aber nicht mehr mitgemacht und sagten dem S., dass wir heimgehen und der Gendarmerie Meldung erstatten…

S. leistete meiner Aufforderung, alles unverändert am Tatort zu lassen und auch das Vieh vor Eintreffen der Polizei nicht zu füttern, keine Folge. Er machte sich sehr beschäftigt, ging gleich in den Keller, holte Milch herauf und fütterte damit die Schweine. Auf dem Heimweg sagten Pöll und ich nichts. Auffallend war bei der Sache, dass S. alles veränderte, was zu verändern war und überall im Hause genau Bescheid wusste. nach meiner Ansicht kam S. zu Lebzeiten des Gruber nicht soviel in das Haus in HK, dass er Bescheid wissen konnte…

Michael Pöll, Auffindezeuge, 05.04.1922:
“Am Dienstag, den 4.4.22 nachm. gegen 5 Uhr kam der Bauer Lorenz Schlittenbauer zu mir in meine Behausung, daß bei Gabriel sich nichts mehr rühre. Er ersuchte mich dann mit mir zur Gabriel zu gehen. Auch Jakob Sigl schloß sich uns an. Dabei bemerke ich, daß mir schon am 1. und am 3.4.22 im Hause von Gabriel die außerordentliche Stille aufgefallen ist, insbes. hat sich der dortige Hund nicht mehr gerührt. An den gen. Tagen war ich auf dem Felde in der Nähe von Gabriel beschäftigt.

Im Hause des Gabriel angekommen, fanden wir alle Türen verschlossen vor, nur das zum Maschinenhaus führende Tor war unversperrt.

Vom Maschinenhaus aus, sprengten wir dann das Scheunentor auf u. gingen wir alle 3 in die Scheune hinein. Durch die geöffnete Stalltür schaute ein losgelassenes Rind heraus. Schlittenbauer ging voraus u. zwar auf die Stalltüre zu. Ich sah ihn dabei etwas stolpern. Ich folgte ihm unmittelbar u. suchte mit meinen Füßen am Boden, weil es schon etwas finster war. Ich stoss dabei an etwas an u. sagte dann zu den beiden Begleitern: “Da liegt schon was.” Schlittenbauer ging dann etwas zurück u. hob glaub ich zuerst ein Brett auf u. griff dann an einen frei sichtbaren Fuß. Er zog diesen weiter hervor u. erkannten wir in der Person den Andreas Gruber. Wir haben dann noch weitere 3 Personen unter dem Heu liegen gesehen. Das Mädchen lag an der Wand neben der Stalltüre. Er nahm es u. legte es etwas rückwärts gegen die Häckselmaschine in der Scheune. Ich u. Sigl gingen dann sofort aus der Scheune heraus. Schlittenbauer ging dann aber durch den Stallgang in die Wohnräume u. hat uns dann die an der Ostseite des Hauses gelegene Türe geöffnet. Wir gingen dann auch ins Haus bzw. Schlafzimmer u. fanden dort den 2-jährigen Knaben im Kinderwagen erschlagen vor.

Wir gingen dann in die Küche u. von da aus in das anstoßene Stübchen, dort sah ich ein Bett am Boden liegen u. unter demselben 2 Schuhe hervorschauen. Schlittenbauer hat dann das Bett weggehoben u. nun bemerkten wir eine fremde Frauensperson erschlagen tot am Boden liegen.

Der Hund der Familie Gabriel war im Stalle eingesperrt. Es ist dies ein guter u. wachsamer Hund. Es ist mir auch nicht bekannt, daß er bestimmte Personen nicht gemeldet hätte. Es ist mir nicht bekannt, daß die Familie Gabriel mit irgend Personen speziell vertraut gewesen wäre. Die Familie Gabriel galten allgemein als fleißige, sparsame Leute, die sehr zurückgezogen lebten, in eine Wirtschaft kamen sie nie. Es ist mir auch nicht bekannt, daß sie in letzter Zeit größere Einnahmen gehabt hätten. Ob sie irgendwelche Personen hatten, welche feindlich ihnen gesinnt waren, ist mir ebenfalls unbekannt.

Allgemein im Orte ist bekannt, daß Gruber mit seiner nunmehr ermordeten Tochter Viktoria Gabriel in geschlechtlicher Beziehung stand.

Soviel ich weiß, hatte Schlittenbauer beabsichtigt, die Viktoria G. zu heiraten, noch dazu er der Vater des außerehel. Knaben Josef G. war. Die Ehe wurde aber durch den alten Gruber, dem Vater der Viktoria Gabriel, verhindert. Daß sie sich in letzter Zeit also der Schlittenbauer u. der Gruber feindlich gesinnt waren, ist mir nicht bekannt. Es ist mir auch bekannt, daß die Familie Gabriel vermögend war, wie weit aber nicht.

Einen Verdacht gegen eine bestimmte Person kann ich nicht angeben u. vermag auch in dieser Richtung keinerlei Angaben machen.

Andreas Schwaiger, 17.12.1952:
“Diese (Anm.: Schlittenbauer, Pöll und Sigl) sind nämlich höchstens 10 Minuten vor mir an den Tatort gekommen. Es ist somit nicht möglich, dass sie vor mir, bzw. meinem Eintreffen den Stall gerichtet haben… Mit Sschlittenbauer, Pöll und Sigl bin ich dann weitergegangen und wir kamen in die Schlafkammer der Wittfrau Gabriel… Eine Brieftasche lag geöffnet auf dem Kissen…”

Josef Schrittenlocher, 17.12.1952:
“Wie ich mich noch entsinne, habe ich unter den Leuten den Bauern Schlittenbauer und den Bauern Jakob Sigl gesehen… Durch welche Türe wir dann später das Anwesen betraten, kann ich heute nicht mehr sagen… Wir haben dann, nachdem wir alles angeschaut hatten, das Anwesen verlassen…”

Johann Freundl, 17.12.1952:
“Im Anwesen HK befand sich bei unserem Eintreffen (Anm.: Mit K. Stegmaier) nur der Landwirt und Bauernführer Schlittenbauer Das Anwesen betraten wir durch die Haustüre und ich weiss nicht mehr genau, wo wir mit Schlittenbauer zusammengetroffen sind. Schlittenbauer zeigte uns anschliessend die Toten im Stadel…

Anschliessend führte uns Schlittenbauer in die Magdkammer, wo die Dienstmagd Maria Baumgartner am Boden lag. Anschliessend führte er uns in das Schlafzimmer und zeigte uns die Leiche des kleinen Buben. Während wir die Räume durchgegangen sind, kamen immer mehr Leute auf den Hof und schliesslich auch der Bürgermeister und die Gendarmerie von Hohenwart…

Im Motorenhaus, welches im Stadel eingemauert war, stand ein Zuber eingesurtes Fleisch. Schlittenbauer forderte mich auf, von dem Fleisch etwas wegzunehmen und zu essen…

Als wir seinerzeit von Schlittenbauer durch die Räume geführt wurden, zeigte er uns im Schlafzimmer eine leere Brieftasche. Diese lag auf dem Bett in der Mitte der Zudecke. Sie war geschlossen…

Weiterhin fiel mir das Verhalten von Schlittenbauer am Tatort deshalb auf, weil er von Neugierigen die vorhandenen Spuren vernichten liess. Ich habe ihm seinerzeit sogar aufmerksam gemacht, dass die Leute die Spuren vernichten werden. Schlittenbauer entgegnete mir, dass die Leute nun schon da seien und er nichts mehr machen könne."

 

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